So wird der Schulweg zum Kinderspiel
Vielleicht kennen Sie noch die Geschichten Ihrer Eltern oder Großeltern vom langen Schulweg zu Fuß – mit schwerem Lederranzen und bei jedem Wetter.
Heute sieht der Schulweg ganz anders aus. Autos, Busse, E-Bikes, nahezu lautlose Elektrofahrzeuge und E-Scooter prägen das Straßenbild. Gerade in den ersten Schulwochen herrscht rund um Schulen besonders viel Verkehr. Umso wichtiger ist es, Kinder gut auf diese Situation vorzubereiten.
© reinhard winklerUnser Experte GD Othmar Nagl zum Thema
Gemeinsam üben schafft Sicherheit
Mit Schulbeginn werden vielerorts wieder Schülerlotsen eingesetzt, Tempolimits kontrolliert und Schutzwege besonders überwacht. Doch die wichtigste Sicherheitsmaßnahme beginnt schon zu Hause: Eltern, die den Schulweg gemeinsam mit ihrem Kind üben.
Kinder nehmen ihre Umgebung anders wahr als Erwachsene:
- Sie können Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht zuverlässig einschätzen,
- lassen sich leichter ablenken und
- überblicken aufgrund ihrer Körpergröße viele Verkehrssituationen nicht.
Deshalb sollte der Schulweg mehrmals gemeinsam geübt werden – nicht nur vor dem ersten Schultag, sondern auch nach längeren Ferien oder wenn sich die Verkehrssituation verändert.
Die Zahlen zeigen: Vorsicht lohnt sich
Nach den außergewöhnlich niedrigen Unfallzahlen während der Corona-Pandemie steigt die Zahl der Kinderunfälle im Straßenverkehr wieder deutlich an. Im Jahr 2025 wurden österreichweit mehr als 3.500 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt – ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Acht Kinder verloren dabei ihr Leben.
Auch auf dem Schulweg kam es zu zahlreichen Unfällen: 577 Schülerinnen und Schüler wurden verletzt, 72 davon schwer. Besonders häufig betroffen waren Kinder als Fußgängerinnen und Fußgänger, gefolgt von Radfahrenden, Mopedlenkerinnen und -lenkern sowie E-Scooter-Fahrenden.
Diese Zahlen zeigen deutlich: Gute Vorbereitung kann zwar keinen Unfall ausschließen, sie reduziert das Risiko aber erheblich.
So bereiten Sie Ihr Kind optimal vor
Ein sicherer Schulweg beginnt lange vor dem ersten Schultag. Mit diesen Tipps schaffen Sie die besten Voraussetzungen:
- Den Schulweg gemeinsam trainieren: Gehen Sie die Strecke mehrmals gemeinsam ab und sprechen Sie über mögliche Gefahrenstellen. Lassen Sie Ihr Kind erklären, warum es an bestimmten Stellen stehen bleibt oder wann es die Straße überqueren würde.
- Zeit statt Hektik einplanen: Wer ohne Stress unterwegs ist, trifft bessere Entscheidungen. Planen Sie morgens daher genügend Zeit ein.
- Gut sichtbar sein: Helle Kleidung sowie Reflektoren an Jacke, Schultasche oder Rucksack erhöhen die Sichtbarkeit deutlich. Eine Warnweste sorgt vor allem in der dunkleren Jahreszeit für zusätzliche Sicherheit.
- Das richtige Verkehrsmittel wählen: Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Tretroller – informieren Sie sich über die jeweiligen Regeln und überlegen Sie, welches Verkehrsmittel dem Alter und Können Ihres Kindes entspricht.
- Elterntaxis bis vor die Schultüre vermeiden: Viele Fahrzeuge direkt vor der Schule sorgen oft für unübersichtliche Situationen. Wenn Sie Ihr Kind mit dem Auto bringen, halten Sie lieber einige Gehminuten entfernt.
Diese Regeln gelten unterwegs
Auch im Alltag helfen einfache Verhaltensregeln, den Schulweg sicherer zu machen:
- Auch bei Grün oder am Zebrastreifen immer stehen bleiben und nach links und rechts schauen.
- Besonders vorsichtig bei Hauseinfahrten sein, denn ausfahrende Fahrzeuge werden leicht übersehen.
- Das Handy in der Schultasche lassen. Ablenkung gehört zu den häufigsten Unfallursachen – und das nicht nur bei Autofahrenden.
- Aufmerksam bleiben, auch wenn der Schulweg schon vertraut erscheint. Gerade Routine führt oft dazu, dass Gefahren übersehen werden.
Gut abgesichert – auch außerhalb des Schulwegs
Selbst der am besten geübte Schulweg bietet keine hundertprozentige Sicherheit. Wichtig zu wissen: Die gesetzliche Unfallversicherung schützt Kinder unter anderem auf dem direkten Schulweg sowie während des Schulbesuchs und schulischer Veranstaltungen. Die meisten Kinderunfälle passieren allerdings in der Freizeit, beim Sport oder zu Hause – und sind dadurch nicht automatisch abgesichert.
Eine private Unfallversicherung kann diese Lücke schließen und hilft, die finanziellen Folgen eines schweren Unfalls abzufedern. So sind Kinder nicht nur auf dem Schulweg, sondern auch in ihrer Freizeit umfassender geschützt.
Fazit
Ein sicherer Schulweg beginnt nicht an der Schultür, sondern zu Hause. Wer gemeinsam übt, Gefahren erklärt und als gutes Vorbild vorangeht, gibt seinem Kind Sicherheit und Selbstvertrauen mit auf den Weg. So startet das neue Schuljahr nicht nur erfolgreich, sondern vor allem sicher.
Hier noch ein paar nützliche Links:
- Weitere Infos auf der Schulweg-Infoseite der AUVA hier.
- Broschüren der AUVA zum Schulweg zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Tretroller oder mit dem Bus.
- Wie Sie selbst Schüler- oder Erwachsenenlots:in werden können - eine Aktion der AUVA und des KFV - Kuratorium für Verkehrssicherheit.
Unterschiede in der visuellen Wahrnehmung von Erwachsenen und Kindern - eine Aktion der AUVA und sicher unterwegs
Ich wünsche Ihnen und vor allem Ihren Kindern einen wunderschönen Schulstart und ein abwechslungsreiches, aber vor allem unfallfreies Schuljahr!

Quellen:
Meinsichererschulweg.at (AUVA): „Visuelle Leistungsfähigkeit“, URL: https://www.mein-sicherer-schulweg.at/mein-schulweg/
Statistik Austria: „Straßenverkehrsunfälle 2025“, Wien 2026, URL: https://www.statistik.at/fileadmin/publications/Strassenverkehrsunfaelle2025.pdf
Land Salzburg: "Sicherer Schulweg", URL: https://www.salzburg.gv.at/kommunikation/marketing/sicherer-schulweg
