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Sicherheit

Ein Beitrag von unseren Expert:innen: GD Nagl über Akkubrände

Warum entstehen Akkubrände überhaupt? Welche Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen? Und wie können Sie das Risiko minimieren? Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

So schützen Sie sich vor der unterschätzten Gefahr

 

Ob Heimspeicher, Smartwatch, Notebook, E-Bike oder Elektroauto – Lithium-Ionen-Akkus sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Sie überzeugen durch ihr geringes Gewicht, ihre hohe Energiedichte und kurze Ladezeiten. Gleichzeitig geraten sie jedoch immer häufiger in die Schlagzeilen, wenn es zu schwerwiegenden Bränden kommt.
 

© reinhard winkler

Unser Experte GD Othmar Nagl zum Thema


 

Warum Lithium-Ionen-Akkus brennen können


Lithium-Ionen-Akkus speichern große Energiemengen auf kleinstem Raum. Wird ein Akku beschädigt, überhitzt oder falsch behandelt, kann es zum sogenannten thermischen Durchgehen kommen. Dabei setzt eine chemische Kettenreaktion ein, die den Akku selbstständig immer weiter erhitzt und schließlich zum Brand oder sogar zur Explosion führen kann.
Besonders kritisch sind Akkupacks, die aus mehreren miteinander verbundenen Zellen bestehen – etwa in Notebooks, E-Bikes oder Elektrofahrzeugen. Brennt eine Zelle, können nach und nach auch die übrigen Zellen reagieren. Dadurch können solche Brände über Stunden andauern oder sogar erneut aufflammen.

 


 

Lithium-Ionen-Akkus richtig verwenden

 

Zu den häufigsten Ursachen für Akkubrände zählen mechanische Beschädigungen, beispielsweise nach einem Sturz, sowie starke Hitze oder Kälte. Achten Sie deshalb auf einen sorgfältigen Umgang mit Ihren Geräten. Der Akku sollte trocken bleiben, keiner übermäßigen Wärme ausgesetzt sein und ausschließlich mit geeigneten Ladegeräten geladen werden – idealerweise mit Originalzubehör oder vom Hersteller freigegebenem Zubehör.

Warnsignale, die Sie keinesfalls ignorieren sollten, sind:

  • ein aufgeblähter Akku
  • sichtbare Beschädigungen oder Verformungen
  • Verfärbungen
  • ungewöhnlich starke Erwärmung
  • ein auffälliger oder chemischer Geruch

Treten solche Anzeichen auf, sollten Sie das Gerät nicht weiter verwenden, sondern fachgerecht überprüfen oder entsorgen lassen.

 

Überladung und Tiefentladung

Moderne Akkus und Ladegeräte verfügen in der Regel über Schutzmechanismen gegen Überladung. Versagen diese jedoch aufgrund eines Defekts, können sich im Akku-Gase bilden, die zu einer Aufblähung und im schlimmsten Fall zu einem Brand führen.

Auch eine Tiefentladung kann einen Akku dauerhaft schädigen. Dabei sinkt die Zellspannung unter die vorgesehene Mindestspannung. Zwar führt dies seltener zu einem Brand, dennoch sollte ein tiefentladener Akku geprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.

 


 

So gehen Sie sicher mit Lithium-Ionen-Akkus um

 

Richtig kaufen

  • Setzen Sie auf hochwertige Qualitätsprodukte renommierter Hersteller.
  • Billige oder unzureichend geprüfte Akkus und Ladegeräte bergen ein deutlich höheres Sicherheitsrisiko.

Richtig nutzen

  • Setzen Sie Akkus keinen extremen Temperaturen aus (über +40 °C oder unter –10 °C).
  • Verwenden Sie beschädigte oder verformte Akkus keinesfalls weiter.
  • Nehmen Sie ungewöhnliche Erwärmung, Gerüche oder Verfärbungen stets ernst.

Richtig laden

  • Verwenden Sie ausschließlich vom Hersteller freigegebene Ladegeräte und Ladekabel.
  • Für eine möglichst lange Lebensdauer empfiehlt es sich, den Akku möglichst zwischen 20 % und 90 % Ladestand zu betreiben.
  • Laden Sie Geräte möglichst auf einer nicht brennbaren Unterlage und nicht unbeaufsichtigt über längere Zeit.

Richtig lagern

  • „Nutzen Sie ein Gerät längere Zeit nicht, lagern Sie den Akku möglichst mit einem Ladezustand von etwa 30 bis 60 %. Das schont den Akku und verlängert seine Lebensdauer.“
  • Der Lagerort sollte kühl, trocken und gut belüftet sein sowie ausreichend Abstand zu brennbaren Materialien bieten.
  • Kleben Sie offene Kontakte mit Klebeband ab, um Kurzschlüsse zu verhindern.
  • Besonders sicher ist die Lagerung in einem geeigneten Sicherheitsschrank oder Sicherheitsbehälter in einem Raum mit Brandmelder.

Richtig entsorgen

  • Lithium-Batterien und -Akkus gehören niemals in den Hausmüll.
  • Beschädigte Akkus können sich auch noch Tage oder Wochen später selbst entzünden.
  • Geben Sie alte oder defekte Akkus möglichst rasch bei einer offiziellen Sammelstelle ab.
  • Für den Transport empfiehlt sich ein feuerbeständiger, nicht luftdicht verschlossener Behälter, idealerweise mit Vermiculit oder Sand gefüllt.
  • Kleben Sie die Pole vor dem Transport und der Entsorgung mit Klebeband ab, um Kurzschlüsse zu vermeiden.

     


 

 Was ist im Ernstfall eines Akkubrands zu tun?

 

Kommt es zu einem Akkubrand, gilt vor allem eines: Bringen Sie sich und andere in Sicherheit, halten Sie Abstand und verständigen Sie umgehend die Feuerwehr.

Lithium-Ionen-Akkus können sich innerhalb kurzer Zeit stark erhitzen, explosionsartig reagieren und gesundheitsschädliche Rauchgase freisetzen. Zudem besteht die Gefahr, dass brennende oder glühende Akkuteile weggeschleudert werden und weitere Brände verursachen.

Handelt es sich um einen kleinen, überschaubaren Entstehungsbrand und bringen Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr, kann der Akku mit viel Wasser gekühlt werden. Anders als häufig angenommen, ist Wasser bei Lithium-Ionen-Akkus das geeignete Löschmittel, da es den Akku wirksam abkühlt und so das sogenannte thermische Durchgehen eindämmen kann.

Ist der Akku bereits stark beschädigt, brennt er intensiv oder handelt es sich um größere Akkus – etwa aus E-Bikes, Heimspeichern oder Elektrofahrzeugen –, sollten Sie keine eigenen Löschversuche unternehmen. Verlassen Sie den Gefahrenbereich, warnen Sie andere Personen und warten Sie auf die Feuerwehr.

Vermeiden Sie das Einatmen der Rauchgase und verwenden Sie – sofern verfügbar und gefahrlos möglich – Handschuhe sowie einen Gesichts- und Augenschutz. Auch nach dem Löschen kann ein Lithium-Ionen-Akku erneut Feuer fangen. Deshalb sollte jeder betroffene Akku von Fachkräften überprüft und sicher entsorgt werden.

 


 

Gut abgesichert im Schadensfall

 

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich ein Risiko nie vollständig ausschließen. Umso wichtiger ist ein passender Versicherungsschutz. Brand- und Explosionsschäden sind in der Regel über die Haushaltsversicherung gedeckt. Bei Personenschäden kann eine private Unfallversicherung Leistungen erbringen, während bei Fahrzeugen meist die Kaskoversicherung für entstandene Schäden aufkommt.

Bewahren Sie daher Kaufbelege und Rechnungen Ihrer Geräte sorgfältig auf. Diese erleichtern im Schadensfall die Abwicklung mit der Versicherung.

 


 

Fazit

Lithium-Ionen-Akkus sind leistungsfähig und sicher – vorausgesetzt, sie werden sachgemäß verwendet. Wer auf Qualitätsprodukte setzt, Warnzeichen ernst nimmt und Akkus richtig lädt, lagert und entsorgt, reduziert das Brandrisiko erheblich. Mit wenigen Vorsichtsmaßnahmen schützen Sie nicht nur Ihr Eigentum, sondern auch sich selbst und Ihr Umfeld.

 

 

Quellen: 

Elektro-ade.at, „Wissenswertes über Lithiumbatterien“, URL: https://www.elektro-ade.at/elektrogeraete-sammeln/wissenswertes-ueber-lithiumbatterien/

Selina Ruof: „Welche Gefahren entstehen beim Überladen bzw. Tiefentladen von Lithium-Batterien?“, 14.10.2021, URL: https://www.jauch.com/blog/welche-gefahren-entstehen-beim-ueberladen-bzw-tiefentladen-von-lithium-batterien/.

AUVA: „Sicherer Umgang mit Lithium-Batterien. Grundlagen, Anwendungen, Einsatzgebiete“, URL: https://auva.at/media/pcajpwjk/m_480_sicherer_umgang_mit-lithium-batterien_2021_bf.pdf

VÖL: „Brandgefährliche Energiebündel. Wenn Akkus Feuer fangen“, URL: https://www.vlv.at/wp-content/uploads/2021/05/Folder_VOEL_Akkubrand_VLV.pdf