Landwirtschaft besonders gefordert
Die Bilder vom Waldbrand in Tragwein Anfang August, der 250 Einsatzkräfte forderte oder aktuell vom Flur- und Waldbrand in Perg, der zum Glück rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte, führen uns vor Augen, wie schnell sich ein Feuer entwickeln und ausbreiten kann. Oft sind die Ursachen der Brände unklar. Fest steht jedoch: Trockene Wiesen, Felder und Wälder sind besonders leicht entzündlich, oft reicht dazu schon ein kleiner Funke.
© reinhard winklerUnser Experte VD Robert Wasner
Die anhaltende Hitze und Trockenheit stellen die Landwirtschaft derzeit vor große Herausforderungen. Ausbleibende Niederschläge führen nicht nur zu einer erhöhten Wald- und Flurbrandgefahr, sondern vielerorts auch zu Futtermangel und Wasserknappheit. In mehreren Bezirken Oberösterreichs gelten bereits Waldbrand-Schutzverordnungen. Umso wichtiger ist es, Risiken zu kennen und mit umsichtigem Verhalten Brände zu verhindern.
Gerade für Landwirtinnen und Landwirte ist jetzt höchste Aufmerksamkeit gefragt. Während der Ernte kommen Maschinen zum Einsatz, die hohe Temperaturen entwickeln oder Funken erzeugen können. Gleichzeitig reichen trockene Pflanzenreste oft schon aus, damit sich ein Feuer innerhalb weniger Sekunden entzündet.
Zu den häufigsten Brandursachen zählen:
- überhitzte Motoren, Auspuffanlagen oder Lager
- Funkenflug durch Steinkontakt oder beschädigte Maschinen
- technische Defekte wie Kurzschlüsse oder beschädigte Kabel
- achtlos weggeworfene Zigaretten
- offenes Feuer, etwa Lagerfeuer oder das Verbrennen von Pflanzenresten
Besondere Vorsicht ist auch entlang von Waldrändern geboten. Greift ein Feuer vom Feld auf den Wald über, wird die Brandbekämpfung deutlich schwieriger und die Schäden können rasch enorme Ausmaße annehmen.
Mit einfachen Maßnahmen Brände verhindern
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) weist darauf hin, dass mehr als 80 Prozent aller Waldbrände in Österreich durch menschliches Verhalten verursacht werden. Trockenheit und Hitze schaffen zwar ideale Bedingungen für die Ausbreitung eines Feuers, der Auslöser ist jedoch meist vermeidbar.
Viele Brände lassen sich also durch vorbeugende Maßnahmen vermeiden. Dazu gehören:
- Erntemaschinen regelmäßig warten und auf Ölverlust, beschädigte Leitungen oder verschlissene Lager kontrollieren.
- Motor- und Auspuffbereiche sauber halten und Pflanzenreste entfernen.
- Nach Möglichkeit Arbeiten nicht während der größten Nachmittagshitze durchführen oder regelmäßige Kontrollpausen einlegen.
- Fahrzeuge keinesfalls auf trockenem Gras oder Stoppelfeldern abstellen, da heiße Auspuffanlagen Pflanzenmaterial entzünden können.
- Geeignete Feuerlöscher auf Traktoren, Mähdreschern und anderen Maschinen mitführen.
- Nicht rauchen – insbesondere nicht auf Feldern, Wiesen oder in Waldnähe. Auch für Autofahrerende gilt: Keine Zigarettenreste aus dem Auto werfen!
- Keine Glasflaschen oder Glasscherben in der Natur wegwerfen! Glasscherben können bei „richtigem" Sonnenlichteinfall die Wirkung eines Brennglases entfalten.
- Kein offenes Feuer und behördliche Feuerverbote unbedingt beachten.
- Funkenbildende Arbeiten wie Schleifen, Schweißen oder Trennarbeiten bei großer Trockenheit möglichst verschieben.
- Rauch oder Feuer sofort über den Notruf 122 der Feuerwehr melden.
Auch der Oberösterreichische Landes-Feuerwehrverband mahnt zur Vorsicht und appelliert an die Bevölkerung Zufahrtswege zum Wald freizuhalten. Im Falle eines Waldbrandes muss die Feuerwehr rasch zufahren können. Bei Erntearbeiten empfiehlt die Feuerwehr zudem, mit Wasser gefüllte Güllefässer bereitzustellen, um im Ernstfall rasch reagieren zu können.
Vorsicht schützt Menschen, Tiere und Existenzen
Ein Flächenbrand kann innerhalb weniger Minuten große Schäden verursachen. Neben Wiesen und Wäldern sind oft auch landwirtschaftliche Kulturen, Maschinen, Gebäude oder Tiere betroffen. Umso wichtiger ist es, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und mit einfachen Maßnahmen vorzubeugen.
Sollte trotz aller Vorsicht ein Brand entstehen, kann der passende Versicherungsschutz – etwa für Gebäude, Maschinen oder die Haftpflicht – finanzielle Folgen deutlich abfedern.
Als Vorstand der Oberösterreichischen Versicherung ist es mir ein Anliegen, das Bewusstsein für Prävention zu stärken. Denn Sicherheit beginnt nicht erst, wenn die Feuerwehr ausrückt, sie beginnt bereits mit Aufmerksamkeit, Vorsicht und verantwortungsvollem Handeln im Alltag.
Ich wünsche allen Landwirtinnen und Landwirten eine sichere Saison und danke allen Einsatzkräften, die im Ernstfall mit großem Engagement für uns da sind.
Ihr
Robert Wasner
Kurz Zusammengefasst:
7 Tipps für eine brandsichere Ernte
1. Maschinen täglich kontrollieren
Prüfen Sie Mähdrescher, Traktoren und Pressen regelmäßig auf Ölverlust, beschädigte Leitungen, verschlissene Lager und lockere Kabel. Schon kleine technische Defekte können zu einem Brand führen.
2. Pflanzenreste entfernen
Reinigen Sie Motor-, Kühler- und Auspuffbereiche regelmäßig von Stroh, Spreu und trockenem Gras. Ablagerungen können sich an heißen Bauteilen leicht entzünden.
3. Feuerlöscher und Wasser mitführen
Ein funktionstüchtiger Feuerlöscher sollte auf jeder Erntemaschine zur Standardausrüstung gehören. Zusätzlich empfiehlt es sich, Wasser – etwa in einem Güllefass oder Tank – für den Ernstfall bereitzuhalten.
4. Hitze und Wind berücksichtigen
Wenn möglich, besonders funkenintensive Arbeiten nicht während der größten Nachmittagshitze durchführen. Legen Sie bei hohen Temperaturen regelmäßige Kontrollpausen ein und achten Sie auf Wind, der ein Feuer rasch verbreiten kann.
5. Funkenquellen vermeiden
Rauchen Sie nicht auf Feldern oder in Waldnähe und verzichten Sie auf offenes Feuer. Auch Schleif-, Schweiß- oder Trennarbeiten sollten bei großer Trockenheit möglichst verschoben werden.
6. Waldränder besonders im Blick behalten
Arbeiten entlang von Waldrändern erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Ein Feuer, das vom Feld auf den Wald übergreift, ist wesentlich schwieriger zu bekämpfen.
7. Im Ernstfall keine Zeit verlieren
Entdecken Sie Rauch oder ein Feuer, alarmieren Sie sofort die Feuerwehr unter 122. Bringen Sie sich selbst in Sicherheit und unternehmen Sie Löschversuche nur, wenn dadurch keine Gefahr für Sie entsteht.
