Anleitung für ein gelungenes Fest für alle Beteiligten
© reinhard winklerUnser Experte GD Othmar Nagl zum Thema Maibaumfest
Doch so festlich das Ganze auch ist: Wo viele Menschen zusammenkommen, schweres Gerät im Einsatz ist und improvisiert wird, entstehen auch Risiken. Genau hier lohnt sich ein genauer Blick – nicht nur auf die Traditionen rund um das Maibaumaufstellen, sondern auch auf mögliche Gefahren und die Frage, wie man sich als Veranstalter oder Verein richtig absichert.
1) Baum auswählen und schlagen
Wir beginnen mit einer der schwersten Arbeiten: dem Aussuchen des Baums. Es soll ein besonders schöner, gerade gewachsener und hoher Baumstamm sein. Denn der Maibaum steht für Wachstum und symbolisiert neues Leben für Häuser und Felder. Sobald der richtige Baum ausgewählt wurde, können die Waldarbeiten beginnen. Diese gehören bekanntermaßen zu den gefährlichsten Tätigkeiten.
Wichtig ist, nicht allein zu arbeiten, einen ausreichend großen Sicherheitsabstand einzuhalten und die entsprechende Schutzausrüstung zu verwenden. Die Wartung der Geräte und Werkzeuge sollte bereits im Vorhinein erfolgen. Vor dem Schneiden muss der Fallbereich unbedingt abgesperrt werden! Als Faustregel gilt ein Sicherheitsradius in der doppelten Baumhöhe, da der Baum beim Aufprall unvorhersehbar federn oder in eine andere Richtung stürzen kann.
Bitte behalten Sie während der Arbeiten immer im Auge:
- die Umgebung
- die Beschaffenheit des Baums
- Ihre Ausrüstung
Weitere Informationen zum sicheren Arbeiten beim Fällen von Bäumen finden Sie in dieser Broschüre der AUVA:
Erik Lenz (AUVA): „Sicheres Arbeiten. Fällen von Bäumen"
→ Achtung: Es besteht ein Unterschied zwischen Freizeit- und Berufsunfall.
Wenn Sie beruflich mit dem Fällen von Bäumen zu tun haben und die Arbeiten während Ihrer Arbeitszeit erfolgen, besteht eine Deckung durch die gesetzliche Unfallversicherung. In allen anderen Fällen haben Sie keinen Schutz vor Unfallschäden. Eine private Unfallversicherung ist daher dringend ratsam.
2) Maibaum schälen, schmücken und aufstellen
Das Maibaumaufstellen ist nicht nur ein Frühlings-, sondern auch ein Fruchtbarkeitsbrauch. Das Entfernen – also Schälen – der Rinde gehört traditionell dazu. Der Überlieferung nach werden so Hexen und Geister, die sich als Käfer in der Rinde verstecken, vertrieben. Der grüne Wipfel hingegen bleibt meist erhalten.
Der Maibaum wird geschmückt und – der Tradition entsprechend – oft von Hand aufgerichtet. Dies geschieht mit Hilfe von langen Stangen, oft Schwalben, Schwaiberl, Micken oder Schäfte genannt, Seilen und natürlich mit viel „Schmalz“ – außer es wird ein Kran verwendet.

Fehlen darf dabei natürlich nicht das Publikum: Das Aufstellen wird häufig von Musik, Festbetrieb und vielleicht auch Alkohol begleitet. Das schafft eine besondere Stimmung, aber eben auch ein Umfeld, in dem schnell etwas schiefgehen kann.
Ein zentrales Risiko ist ganz klar der Baum selbst: Beim Aufstellen kann er ins Rutschen geraten, kippen oder unkontrolliert ausschwingen. Dabei besteht Verletzungsgefahr für Helfer ebenso wie für Zuschauer. Dazu kommen Stolperfallen, ungesicherte Bereiche oder mangelnde Absperrungen.
Zur Absicherung gehört deshalb in erster Linie eine gute Vorbereitung. Dazu zählen:
- Sicherheitskonzept: Klare Abläufe, definierte Verantwortliche und abgesperrte Gefahrenbereiche. Zuschauer sollten ausreichend Abstand halten können.
- Erfahrene Helfer: Idealerweise wird der Baum von Personen aufgestellt, die das Prozedere kennen. Neue Helfer sollten eingewiesen werden.
- Geeignete Ausrüstung: Stabile Stangen, Seile in gutem Zustand und – wenn möglich – zusätzliche Sicherung durch Technik (z. B. Kran).
- Wetter im Blick behalten: Wind kann das Aufstellen erheblich gefährlicher machen. Im Zweifel lieber verschieben.
3) Auf den Maibaum kraxeln und ihn umtanzen
Auch rund um die Festlichkeiten am 1. Mai selbst lässt sich einiges an Brauchtum erleben. Neben Tanzen und Musizieren gibt es auch riskantere Traditionen. Das Maibaumkraxeln ist nichts für Menschen mit Höhenangst: Mutige Burschen, Männer und manchmal auch Mädchen versuchen, zur Spitze des Maibaums zu klettern und eines der bunten Bänder herunterzuholen.
Mancherorts gibt es auch das weniger gefährliche Schätzen der Länge des Baums. Wer am nächsten liegt oder gar die exakte Länge errät, kann ihn im nächsten Winter als Brennholz verwenden.
Bei all diesen waghalsigen Unternehmungen kann es leicht zu Personen- oder Sachschäden kommen:
- Der Maibaum fällt um oder Schmuck löst sich und fällt in die Menge
- Jemand stürzt beim Maibaumkraxeln und verletzt sich
Neben der praktischen Sicherheit spielt daher auch die Versicherung eine entscheidende Rolle. Um Sie als Veranstalter vor hohen Schadenssummen oder ungerechtfertigten Forderungen zu schützen, gibt es die Veranstalterhaftpflichtversicherung. Sie kann einen Schaden zwar nicht verhindern, schützt aber vor den finanziellen Folgen, wenn durch eine Unachtsamkeit ein Dritter zu Schaden kommt.
Veranstalter sollten daher unbedingt prüfen:
Veranstalterhaftpflichtversicherung: Deckt Personen- und Sachschäden ab, die im Rahmen des Events entstehen – etwa wenn ein Zuschauer verletzt wird.
Vereinshaftpflicht: Falls ein Verein organisiert, sollte geprüft werden, ob solche Veranstaltungen mitversichert sind oder extra gemeldet werden müssen.
Unfallversicherung für Helfer: Gerade freiwillige Helfer sind nicht automatisch abgesichert. Hier kann eine zusätzliche Absicherung sinnvoll sein.
Sachversicherung: Falls ausgeliehenes Equipment oder der Baum selbst Schäden verursacht oder beschädigt wird.
Weitere Informationen zur Veranstalterhaftpflicht finden Sie hier.
4) Maibaum bewachen oder stehlen
Bis zu drei Nächte wird der Baum schließlich bewacht, damit er nicht gestohlen wird. Das Maibaumstehlen unterliegt dabei einem eigenen Regelwerk:
Ziel des „brauchmäßigen Diebstahls“ ist ausschließlich der Maibaum – alles andere kann laut einem Urteil des OGH von 1985 zu einer Anzeige führen
Die Polizei wird nicht gerufen, da es sich um gelebtes Brauchtum und kein Strafdelikt handelt
Bei Erfolg wird der Baum ausgelöst – meist mit Getränken und einer Jause für die „Diebe“
Bei Meinungsverschiedenheiten kommt es oft zu spaßhaften Schauprozessen, Versöhnungsessen oder gegenseitigen Besuchen
Quelle: OÖ Landjugend: „Richtlinien des Maibaumstehlens“
Wichtig ist: Viele Risiken lassen sich nicht komplett vermeiden – aber gut planen und absichern. Wer das Maibaumaufstellen professionell organisiert und sich auch versicherungstechnisch vorbereitet, sorgt dafür, dass die Tradition vor allem eines bleibt: ein gelungenes Fest für alle Beteiligten.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Staatsfeiertag!

